In der Podcast-Folge 67 Quertalk von Freitag habe ich mit Enrico über unsere Papierlos-Challenge gesprochen. Dabei war ja geplant, dass wir ein erstes Zwischenergebnis geben und die Herausforderungen im Selbstmanagement der Papier-Vermeidung besprechen. Natürlich sollten wir auch über die Erlebnisse berichten, die überraschend positiv waren. Davon gab es doch die eine oder andere, bei denen das papierlose Büro überraschend geläufig war. Ich erinnere da vor allem und gerne an das Finanzamt mit dem Enrico zu tun hatte, dass die Unterlagen komplett digital zur Verfügung gestellt und angenommen hat.

Was hat Enrico denn so Besonderes gemacht?

Aus dem Podcast kannst du erfahren, dass Enrico eigentlich nichts Besonderes gemacht hat. Er hat einfach nur nach einer papierlosen Möglichkeit gefragt. Mehr nicht. Und die Antwort war überraschend. Die zuständige Mitarbeiterin des Finanzamtes hat überaus offen reagiert und war sogar dankbar für die Nachfrage. Letzten Endes möchte ich hier nicht unterstellen, dass die Mitarbeiter im Finanzamt Papier-Fetischisten sind. Es ist also logisch und nachvollziehbar, dass die Menschen dort einer digitalen Arbeitsweise durchaus offen gegenüber stehen.

Wer Enrico ein wenig kennt, weiß wohl, dass er auch ohne die Challenge nachgefragt hätte. Einem echten Paperless Pioneer ist Papier halt ein Graus und er versucht es an allen Ecken und Enden zu vermeiden. Dennoch kostet es der einen oder anderen Überwindung eine solche Frage zu stellen. Aber warum ist das ist? Warum haben wir manchmal Angst davor nach etwas zu fragen?

Nach Hilfe zu fragen ist nicht peinlich

Mit einer formulierten Frage gibt es eigentlich immer zwei verschiedene Antwortmöglichkeiten. Entweder wir erhalten die Information, die wir uns erwünscht und erfragt haben oder halt ein „Nein“. Speziell vor dem „Nein“ haben wir aber oftmals Angst, weil es eine Form der Ablehnung ist. Hätte die Dame im Finanzamt die Anfrage von Enrico verneint, könnte man mutmaßen, dass Enrico sich schlecht dabei vorgekommen wäre. Vielleicht aus der Richtung, dass er als Einziger eine solche Frage zu einem derartigen isoliertem Feld wie dem papierlosen Büro gestellt hat. Vielleicht verbindet er aber mit der ablehnenden Haltung etwas ganz anderes, was nichts mit dem Finanzamt zu tun hat?

Ich kann dir versichern, dass es Enrico gut geht. Er gehört zu der Sorte Mensch, die in einer Frage immer den Wissensvorsprung sehen und nicht die Möglichkeit des Scheiterns. Genauso geht es mir übrigens auch. Natürlich kann meine Frage verneint werden, aber auch das „Nein“ ist in dem Fall ja eine Antwort die mir weiterhilft. Durch das „Nein“ meiner favorisierten Baumarktkette weiß ich wiederrum, dass diese sich noch einige Entwicklungsstufen vor dem papierlosen Büro befinden. Alles fein – dennoch kaufe ich dort weiter ein. Als strikter Paperless Pioneer könnte ich natürlich nach einem Baumarkt suchen, der mit digitalen Belegen arbeitet. Das ist mir aktuell aber doch ein wenig zu viel.

Nach einer Information zu fragen muss dir nicht peinlich sein. Vielmehr ist es doch eigentlich menschlich, wenn wir in dem Moment unser Wesen jemand anderem gegenüber öffnen und darum bitten eine Informationslücke zu beseitigen. Das mag nun poetisch klingen, aber eine Frage ist in letzter Konsequenz nichts anderes.

Eine Antwort erweitert unseren Horizont

Eine Frage zu stellen bedeutet immer, dass wir eine Information in unserer aktuellen Situation benötigen. Dabei ist jede Antwort ein Zugewinn. Auch eine Nein-Antwort ist eine wichtige Information für dich und mich. Gibt uns als pickeliger Teenager unser Schwarm die Antwort „Nein“ auf dem Ankreuz-Zettelchen, ist die Information enorm wichtig. Jede weitere Mühe ist vollkommen fehlinvestiert. Lieber sollten wir die Freundin von ihr oder irgendjemand anderen nehmen, aber halt nicht mehr sie. Sieht man es komplett rational kommt man so perfekt mit „Ja“ und „Nein“ durch das Leben.

Insofern sollten wir uns davon verabschieden, dass eine Frage uns Angst macht. Vielmehr sollten wir die Chance in jeder Frage sehen, dass wir unser Wissen und unsere Kenntnisse mit der Antwort entsprechend erweitern können. Ein „Nein“ als Antwort bedeutet zwar primär eine Ablehnung unseres Anliegens. Im erweiterten Sinn jedoch ist ein „Nein“ das Aufzeigen einer Sackgasse. Dort geht es mit unserem Anliegen nicht weiter. Es müssen also andere Optionen gefunden und andere Fragen gestellt werden.

Frage, was das Zeug hält um dein Wissen zu erweitern

Ich habe es mir irgendwann angewöhnt möglichst viele Frage zu stellen. Dabei verzichte ich natürlich darauf eine Frage mehrfach zu stellen oder vollkommen irrelevante Fragen. Ein gewisser Themenbezug muss vorhanden sein und vor allem muss ich mir selbst und meinem Gegenüber begründen können, warum die Antwort wichtig für mich ist. An der Stelle gerne der Verweis auf meinen letzten Artikel. Dort ging es darum die Dinge wichtig zu machen, die eine Dringlichkeit besitzen sollen. Was liegt hier näher als Fragen zu stellen?

Und bei meiner ganzen Fragerei habe ich genauso wie Enrico die Feststellung gemacht, dass die meisten Menschen dem sehr offen gegenüber stehen. Nur weil mir jemand „Nein“ antwortet, heißt es noch lange nicht, dass alles unmöglich ist. Eine Frage ist in meinen Augen immer eine Wertschätzung demjenigen gegenüber, den ich frage. Schließlich vermute ich bei ihr oder ihm eine Information die als Puzzle-Teil mein eigenes Puzzle vereinfacht beziehungsweise komplettiert.

Fragen ist nichts anderes als Selbstmanagement

Es gibt immer die Menschen, die viel fragen und diejenigen, die wenig fragen. Wer nicht fragt, muss sich die Information beschaffen. Das kann schnell gehen, wenn du weißt wo du suchen musst. Meistens jedoch ist es sehr viel mehr zeitaufwändig die Information. Also warum fragst du nicht einfach jemanden, bei dem du die Information vermutest?

Einerseits gibt es dir immer die großartige Möglichkeit neue Menschen kennen zu lernen und andererseits bekommst du oftmals sofort deine benötigte Information. Ist dein Gegenüber ahnungslos, gibt es aber mindestens eine gute Anregung, wo du die Information alternativ erhalten könntest.

Wer sich also selbst erfolgreich managen möchte, ist gut damit beraten eine weiten Kreis von potentiellen Wissensquellen um sich herum aufzubauen. Nicht umsonst heißt es ja Netzwerk von Vitamin B. Beziehungen haben immer, immer, immer den Vorteil für dich, dass du Wissen und Fähigkeiten anzapfen kannst, auf das du ansonsten nur sehr schwer Zugriff hast.

Ein erfolgreicher Unternehmer ebenso wie ein erfolgreicher Privatmann weiß immer und zu jeder Zeit, wen er bei welcher Frage kontaktieren könnte. Es ist ein wenig als wäre dein Leben die TV-Show „Wer wird Millionär“. Viele Fragen kannst du dir über raten oder logisches Denken beantworten, aber der Telefonjoker ist IMMER für einen Bereich in Verwendung, wo du jemanden kennst, der es besser kann. Nur bist du in deinem realen Leben nicht auf 3 Personen beschränkt, sondern kannst dein Netzwerk beliebig ausweiten.

Gib zurück was du erwartest

Und noch etwas Wichtiges zum Abschluss: Du bist ein Teil des Netzwerkes. Folglich bist du auch der Experte auf einem bestimmten Gebiet. Wenn dich hier jemand anspricht und fragt, solltest du die Informationen nicht vorhalten. Antworte und hilf dem anderen dabei das Wissen zu erlangen, was er oder sie benötigt. Das bedeutet nicht, dass du die Atomspaltung wissenschaftlich beweisen sollst. Eine Frage zielt immer auf eine bestimmte Information ab. Wirst du also gefragt solltest du die relevanten Informationen aus dem Ziel in einer Antwort verpacken.

Das Wort Beziehung ist als Begrifflichkeit immer das gegenseitige Nehmen und Geben. Dein Netzwerk wird also so lange intakt sein, wie du das beherzigst. Achte also im Rahmen deines eigenen Selbstmanagement darauf, dass es auch genau das bleibt. Weder musst du dein eigenes Selbstmanagement aus der Hand geben, noch sollst du andere managen.

Mit den Jahren und vor allem mit der Erfahrung habe ich für mich herausgefunden, dass ein funktionierendes Netzwerk das A und O ist. Sowohl beruflich als auch privat. Gordon Schönwälder kann ich fragen, wenn ich etwas aus dem Bereich des Podcastens nicht weiß. Gleichzeitig kann ich ihn aber auch fragen, wie er gerade in seinem Haus bei der Renovierung vorgegangen ist. Bastian Barami kann mir als Unternehmer helfen und gleichzeitig kann ich mich auf das ein oder andere Bier mit ihm perfekt treffen. Und natürlich stehe ich beiden in Fragen zum papierlosen Büro zur Verfügung, wenn es hier einen Bedarf gibt.

Eine Frage zu stellen nach einer Information ist manchmal ein Schritt raus aus unserem gewohnten Bereich. Dieser Schritt jedoch erweitert unseren Horizont, pflegt unsere Beziehung und macht uns gleichzeitig besser in unserem eigenen Selbstmanagement. Nutze diese Chancen und lass sie nicht verstreichen, nur weil du ein „Nein“ hören könntest.

André Nünninghoff
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André Nünninghoff

Gründer & Coach bei den Paperless Pioneers
Ich liebe alles Technische und bin großer Verfechter des K.I.S.S. (keep it simple, stupid) - Prinzips. Aus diesem Grund beschreibe ich meinen täglichen Workflow in meinem Evernote eBook, denn das papierlose Büro ist meine Leidenschaft. Beruflich bin ich als Paperless Coach unterwegs.Hier im Blog und auf iButler.me trage ich alles zusammen, das euch dabei unterstützt, euer papierloses Büro voranzutreiben. Gemeinsam leisten wir echte Pionierarbeit, also worauf wartest du?
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